Qualität statt Quantität: Simon und Maria von S’Era Forn Artesà in Sineu

Maria und Simon Forn S'Era

Mitten im Alarmzustand, am 7. April, öffneten Simon Moreno Zeymer und seine Freundin Maria Alomar Crespí die Türen ihrer Bäckerei Forn s’Era in Sineu. Und seitdem können sich die beiden vor begeisterter Kundschaft nicht mehr retten. Und das zu Recht: Das Brot und die süßen Teilchen schmecken hervorragend. Maria ist Mallorquinerin, Simon halb Mallorquiner, halb Deutscher, beide lebten über fünf Jahre in Hamburg, und somit ist s’Era Forn quasi auch eine so oft gesuchte und herbeigesehnte „deutsche Bäckerei“ auf Mallorca. Wir haben die beiden in Sineu getroffen! 

Stellt euch zwei doch mal kurz vor! Wo seid ihr aufgewachsen? 

Simon: Meine Mutter war Deutsche, mein Vater Mallorquiner. Ich bin in der Nähe von Osnabrück geboren und mit neun Jahren sind wir dann nach Mallorca gezogen, wo ich dann auch meine Jugend verbracht habe. Dann bin ich häufiger umgezogen: Mit 21 ins Baskenland, dann wieder für eine kurze Zeit nach Mallorca, dann Barcelona, fünf Jahre lebte ich gemeinsam mit Maria in Hamburg und jetzt sind wir wieder auf der Insel.  

Maria: Ich bin in Sa Pobla im Norden der Insel geboren. Meine komplette Kindheit und Jugend habe ich auf Mallorca verbracht, bevor es mit 21 nach Valladolid zum Studium ging. Danach folgen Barcelona und Hamburg.  

Wie habt ihr euch kennen gelernt? 

Simon: Wir haben uns 2011 auf Mallorca kennengelernt in 2011. Maria studierte Sportwissenschaft in Valencia und ich arbeitete als Koch auf Mallorca. Kurz danach ging es  nach Barcelona, wo Maria als Personaltrainerin arbeitete und ich meinen ersten Job als Bäcker fand. Nach zwei Jahren wollten wir raus aus Spanien. Ich fand recht schnell einen Ausbildungsplatz in Buchholz in der Nordheide, auf dem Demeterhof Wörme, an dem ich dann meine Bäckerausbildung machte. Maria arbeitete als Lehrerin in Hamburg in einer deutsch-spanischen Schule. 

Blick in die Bäckerei von Außen

Wie kam es zu dem Entschluss, Hamburg den Rücken zu kehren und wieder zurück nach Mallorca zu kommen? 

Maria: Wir wussten schon immer, dass wir irgendwann zurück nach Spanien kommen würden. Der Moment passte, und die Idee der Bäckerei nahm auch immer mehr Form an. 

Und wie seid ihr eigentlich auf die Idee mit der Bäckerei gekommen? 

Simon: Wir wollten Qualitätsbrot auf Mallorca verkaufen – Qualität statt Quantität, und wir wollten mediterrane Zutaten mit nordeuropäischen Technischen vermischen. Durch einen Tipp von Irene von Pla Shoes sind wir dann auf das Ladenlokal hier in Sineu gestoßen. Und der Rest ist Geschichte.  

Als andere Unternehmer die Schotten dicht gemacht haben, habt ihr mitten im Alarmzustand eröffnet. Wie kam es dazu? 

Simon: Seit Oktober letzten Jahres haben wir auf den Tag der Eröffnung hingefiebert, den Laden hier in Sineu renoviert und alles für den Start Klarschiff gemacht, und dann, ja dann kam Corona.  

Maria: Wir haben kurz überlegt, ob wir die Eröffnung verschieben, da wir ja nicht wussten wie unsere Bäckerei und unsere Produkte angenommen werden. Aber dann haben wir uns gedacht: „Brot ist ein Grundnahrungsmittel!“ Und gerade jetzt freuen sich die Menschen hier auf der Insel vielleicht über ein leckeres Brot.  

Simon: Und wir hatten Recht damit! Unsere Brote gingen quasi weg wie warme Semmeln!  

Wer sind denn eure Kunden und woher kommen sie? 

Maria: Am Anfang haben wir das meiste an die Einwohner von Sineu verkauft, mittlerweile kommen viele unserer Kunden sogar aus Palma und anderen weiter entfernten Orten auf der Insel. Es hat sich anscheinend schnell rumgesprochen, dass wir ganz gute Backwaren herstellen. Wir könnten aktuell nicht zufriedener sein!  

Welche Köstlichkeiten bekomme ich denn bei euch? 

Simon: Die Sache läuft so: Wir haben drei Hausbrote (Prima, Fabiol und Pa de la Vila) und ein süßes Brot, eine Olivenölbrioche mit Aprikosen. Die gibt’s an allen Tagen. Und dann haben wir noch zwei Spezialbrote. Zur Zeit sind das Menestrals, ein Vollkornweizen-Brot mit geröstetem Sesam, dass es nur Dienstag und Donnerstag gibt, und Caramull, ein Roggenvollkorn-Brot mit verschiedenen Saaten, dass wir mittwochs und freitags anbieten.  

Maria: Bei uns gibt’s aber eine süße Variation: Leckere kleine Zimtbrötchen, quasi als kleine Hommage ans Franzbrötchen aus unserer Zeit in Hamburg.  

Forn Sera Brot Auslage

Es hat sich anscheinend schnell rumgesprochen, dass wir ganz gute Backwaren herstellen.

Forn Sera Gebäck Auslage

Ich habe jetzt schon öfter von Leuten hier auf der Insel gehört: „Kennst du schon die neue deutsche Bäckerei hier auf Mallorca, in Sineu?“ Bei all der Erfahrung, die ihr in Deutschland gesammelt habt, würdet ihr euch als deutsche Bäckerei bezeichnen?  

Simon: Nein, ich würde uns nicht wirklich als deutsche Bäckerei bezeichnen. Wir benutzen schon einige Techniken aus dem Norden, wie zum Beispiel Roggensauerteig, allerdings arbeiten wir ausschließlich mit lokalen Zutaten: Olivenöl, Salz aus der Region, Früchte der Saison usw. Wieso Butter nutzen, wenn wir hier auf Mallorca so tolles Olivenöl haben?!

Wie teilt ihr euch die Arbeit bei Forn S’Era auf? 

Maria: Simon startet zu einer relativ humanen Zeit – um 7 Uhr – mit dem Brotbacken. Gegen 14 Uhr ist er dann fertig und hat erst einmal etwas Pause. Wir verkaufen Dienstag bis Freitag von 15 bis 19 Uhr. Das ist hauptsächlich mein Part und eine schöne Abwechslung zu meinen eigentlichen Job als Personaltrainerin. 

Simon: Mittlerweile sind wir auch schon super eingespielt und ein echt gutes Team. Es ist schon sehr hilfreich, dass Maria auch so gut Deutsch spricht, denn ein großer Teil unserer Kunden sind eben Deutsche.  

Wenn ihr „nur“ Dienstag bis Freitag geöffnet habt, was macht ihr an den anderen Tagen?  Geht’s da auch ums Geschäft oder genießt ihr dann die Insel? 

Simon: Wenn es nur das Backen und Verkaufen wäre… Um einen so spezialisierten Betrieb zu führen, fallen noch ganz andere Arbeiten an: viel Social Media, Artikel schreiben und die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben. Aktuell planen wir zum Beispeil unsere Getreideernte für 2021. Genug zu tun gibt’s also immer.  

Maria: Aber natürlich geniessen wir auch die Insel. Ich liebe die Natur und bin unwahrscheinlich gerne und oft in den Bergen unterwegs. Im Sommer gehen wir gerne an etwas versteckte Strände wie zum Beispiel die Cala Magraner an der Ostküste und Cala Engosalba im Norden von Mallorca.  

Simon: Hier gehe ich dann gerne angeln oder schnorcheln.  

Was ist euer Plan für die Zukunft? Kann ich auf eine Zweigstelle in der Nähe von Felanitx hoffen?  

Simon: Wir wollen zeigen, dass das Bäckerhandwerk auch anders geht: Andere Arbeitszeiten, Qualität vs. Menge… Sineu ist mit seiner Lage in der Mitte der Insel aktuell einfach perfekt. Aber wir freuen uns natürlich in der Zukunft andere Orte beliefern zu können oder auch andere Filialen zu eröffnen. Vielleicht kommen wir dann auch in eure Ecke.  

Das klingt sehr gut! Genau das wollte ich hören! Ganz lieben Dank für das schöne Gespräch ihr Zwei, und macht bitte noch ganz lange genauso weiter! 

Mehr zu Simon, Maria und S’Era Forn Artesà findest du hier: 

Fotos: Susan Ros

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